Mythos Familie – ein spannender Themenabend

Beim vierten FÖRDERKREIS.DIALOG stellten wir die Frage „Familie im Wandel – braucht es noch Mutter und Vater, um Kinder großzuziehen?“ Auf dem Podium diskutierten Kinderbuchautorin Kirsten Boie, Bindungsforscher Professor Dr. Gerhard Suess sowie mitKids-Botschafterin und Schriftstellerin Jennifer Teege. NDR Chefredakteur Andreas Cichowicz moderierte die Runde und wollte zunächst wissen, inwieweit sich das Familienbild verändert hat.

Kirsten Boie berichtete, dass sich in ihren ersten Büchern durchaus die traditionelle Familie mit Vater, Mutter, Kind widerfand. Als sie begann, z.B. über nicht-klassische Familien in sozialen Brennpunkten zu schreiben, stieß sie von Verlagsseite zunächst auf Zurückhaltung. „Entscheidend schien mir aber immer, dass ein Kind wenigstens eine enge Bezugsperson hat. Jemand, der es liebt, ihm vertraut und ihm auch etwas zutraut“, so Kirsten Boie.

Andres Cichowicz fragte hierzu Prof. Dr. Suess nach der wissenschaftlichen Untermauerung dieser Aussage. „Aufgrund von Studien wissen wir heute recht genau, warum es manche Kinder trotz widriger Kindheitserfahrungen besser schaffen als andere, sich später im Leben zurecht zu finden. Wenn sie die Chance haben, zu jemandem eine sichere Bindung aufzubauen, dann stärkt das ihr Selbstvertrauen und ihre Selbstkontrolle und sie entwickeln eine seelische Widerstandsfähigkeit, in der Wissenschaft Resilienz genannt“, erklärt Prof. Suess.

Problematisch wird es, wenn es sich nur um eine einzige Person handelt, denn fällt diese weg (Tod, Krankheit etc.), kann das Kind dies schlecht kompensieren. Suess plädiert daher für Beziehungsnetzwerke, wie sie beispielsweise die mitKids anbieten.

Ob es denn verlässliche Bezugspersonen in ihren schwierigen Anfangsjahren gegeben hätte, wollte Andreas Cichowicz von unserer Botschafterin Jennifer Teege wissen, die bereits mit vier Wochen ins Kinderheim gegeben wurde und erst mit sieben Jahren adoptiert wurde. Teege erzählte von einer Ordensschwester, die sich trotz viel Arbeit immer Zeit für sie genommen hat und ihr damit Stabilität und Zuversicht gab: „Sie war für mich da. Ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte und wünsche mir das für alle Kinder. Dies ist auch der Grund, weshalb ich mich so überzeugt für die mitKids Aktivpatenschaften engagiere.“

Für Ingrid Ehlerding eine weitere Motivation, das von ihr gegründete Patenschaftsprojekt weiter voranzutreiben. Sie freut sich darüber, dass das ehrenamtliche Engagement in den letzten Jahren auch bei jungen Menschen zugenommen hat. „Es ist in der Gesellschaft angekommen, dass alternative Familienmodelle genauso erfolgreich sein können. Unsere Paten leisten einen wertvollen Beitrag dazu, Beziehungsnetzwerke zu erweitern und den Kindern Verlässlichkeit zu geben. Damit ihnen das Leben gelingt“, so die Stifterin.

Auch Kirsten Boie sieht eine deutliche Verbesserung der Akzeptanz. Und obwohl die Verlage heute mit schwindenden Leserzahlen zu kämpfen haben und gezwungen sind, Inhalte auch hinsichtlich ihrer Verkaufbarkeit zu prüfen, gebe es mittlerweile viele Bücher, die die bunte (Familien-)Welt abbilden. „Da gibt es zum Glück keine Berührungsängste mehr“ sagt Boie.

Familie bleibt dennoch die Keimzelle in der Gesellschaft. Wie sie aussieht oder wer darin wie lange stattfindet, das definiert heute jedoch jeder individuell.

Die Ehlerding Stiftung bedankt sich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Podiums-Teilnehmern, die uns an diesem Abend ohne Honorar ihre Expertise zur Verfügung gestellt haben. Vielen Dank auch an die Bethmann Bank, deren wunderbaren Räume wir zum wiederholten Male unentgeltlich nutzen durften. Marcus van Riesen verwöhnte uns wieder mit erlesenen Weinen seines Weinimportes Beauwine, wofür wir uns herzlich bedanken.

Allen Gästen, denen das syrische Buffet so gut geschmeckt hat wie uns, empfehlen wir einen Besuch im Restaurant FARDI im Hofweg. Und wer die dezente Begleitung am Piano zu schätzen wusste, der kann gerne bei Sven van Koetsveld für seine nächste Veranstaltung anfragen.